
Das Projekt GRAPe Gender - „German Research Agenda for Physiotherapy in Gender Issues“ - hat das Ziel, eine spezifische deutsche Forschungsagenda für die Physiotherapie zu entwickeln, die geschlechtersensible Aspekte systematisch berücksichtigt.
Im Mittelpunkt steht die physiotherapeutische Versorgung von Menschen mit Rückenschmerzen, einer der häufigsten physiotherapeutischen Behandlungsindikationen in Deutschland. In diesem partizipativen Projekt werden gemeinsam mit Patient:innen, Zu- und Angehörigen, Physiotherapeut:innen, weiteren Gesundheitsfachkräften sowie Interessensvertretungen Forschungsbedarfe untersucht und priorisiert.
Rückenschmerzen (ICD-10-Code M54) sind mit einem Anteil von 26,6 % aller Patient:innen und 15,9 % aller Verschreibungen die häufigste Diagnose in der physiotherapeutischen Praxis (Waltersbacher 2024).
Weltweit machen Rückenschmerzen 7,7 % aller mit gesundheitlicher Beeinträchtigung gelebten Jahre aus und gehören damit zu den zehn häufigsten Ursachen für beeinträchtigungsbereinigte Lebensjahre (Ferrari et al. 2024). In Deutschland gehören Rückenschmerzen zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen. Im Durchschnitt fehlt jede Person, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, aufgrund dieses Gesundheitsproblems zwei Tage lang von der Arbeit.
Es bestehen geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei Männer mehr Krankheitstage haben als Frauen (Meyer 2020). Physiotherapie hat nicht nur das Potenzial, die Schmerzen und die Funktionsfähigkeit von Patient:innen mit Rückenschmerzen zu verbessern (Hayden et al. 2021), sondern auch die Patient:innen zu ermächtigen und psychosoziale Faktoren zu beeinflussen (Joyce et al. 2023).
Physiotherapeutische Maßnahmen wirken je nach Geschlecht unterschiedlich auf körperliche und kognitive Funktionen (Fernández et al. 2024, Barha et al. 2017) und beeinflussen auch die therapeutische Beziehung und die Kommunikation sowie die Auswahl der therapeutischen Maßnahmen (Cullen 2023, Stenberg et al. 2022). Durch die Berücksichtigung von geschlechtersensiblen Aspekten können Versorgung, Forschung und Lehre in der Physiotherapie gezielter und wirksamer gestaltet werden (Stenberg et al. 2022).

In der Forschungspartnerschaft ParGenDA wollen wir mit Ihnen die 10 wichtigsten Fragen zum Thema Physiotherapie bei Rückenschmerzen in Genderfragen finden. Durch Berücksichtigung von geschlechtersensiblen Aspekten können Versorgung, Forschung und Lehre in der Physiotherapie gezielter und wirksamer gestaltet werden. Da hierzu aber noch Wissen fehlt, haben wir eine Umfrage gestartet. So soll zukünftige Forschung gezielt Bereiche in den Blick nehmen, die bislang übersehen wurden.
Weiterhin freuen wir uns, wenn die Umfrage weiterverbreitet wird. Hierzu haben wir Materialien zum Verteilen und Aushängen vorbereitet.
Hier Infomaterial herunterladen
Momentan läuft die erste Umfrage zur Identifikation möglicher Forschungsfragen, zu der wir alle herzlich einladen möchten teilzunehmen
Prof. Dr. Susanne Klotz, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
E-Mail: s.klotz@uke.de
Farzaneh Mostafavi: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Projekt-Koordinatorin, Physiotherapie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
E-Mail: f.mostafavi@uke.de
Prof. Dr. med. Rosa Klotz
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg
JLA Beratung: Dr. Jonathan Gower, James Lind Alliance Adviser
Physiotherapie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 7410-18625